Der Dispokredit ist bequem, weil er einfach da ist, sobald das Konto ins Minus rutscht, ohne Antrag, ohne Wartezeit. Genau diese Bequemlichkeit macht ihn gefährlich. Viele deutsche Banken verlangen für dauerhaft in Anspruch genommene Dispokredite Zinssätze um 13 Prozent pro Jahr, teils mehr. Das ist ein Vielfaches dessen, was ein regulärer Ratenkredit kostet, und trotzdem bleibt der Dispo bei vielen Haushalten über Jahre unangetastet im Minus.

Was 13 Prozent Dispozinsen tatsächlich kosten

Beispielrechnung: 2.000 € dauerhaft im Dispo

Bleiben 2.000 € durchgehend im Dispo offen, bei einem Zinssatz von 13 Prozent pro Jahr:

  1. Jährliche Zinskosten: 2.000 € × 13 % = 260 € pro Jahr
  2. Zum Vergleich, derselbe Betrag als klassischer Ratenkredit mit rund 7 Prozent effektivem Jahreszins und regelmäßiger Tilgung: deutlich geringere Zinslast, weil sich sowohl der Zinssatz als auch die im Laufe der Zeit sinkende Restschuld auf die Kosten auswirken.

260 € pro Jahr allein für Zinsen, ohne dass die 2.000 € Schulden dabei kleiner werden, sind reines verlorenes Geld. Bei einer Gehaltserhöhung oder einem Bonus ist der Dispo-Ausgleich fast immer die Ausgabe mit dem höchsten garantierten Effekt, höher als jede sichere Geldanlage.

Der 3-Schritte-Plan zum Ausstieg

  1. Bestandsaufnahme machen. Prüfe im Online-Banking den aktuellen Dispo-Zinssatz deiner Bank und die tatsächlich in Anspruch genommene Summe über die letzten drei Monate. Manche Konten rutschen nur kurz ins Minus, andere bleiben dauerhaft dort, das ist ein großer Unterschied für die Dringlichkeit.
  2. Einmalige Sondertilgung prüfen. Bevor du einen neuen Kredit aufnimmst, schau, ob ein Teil des Notgroschens oder eine anstehende Rückzahlung, etwa aus der Steuererklärung, den Dispo direkt ausgleichen kann. Ein Dispo, der auf null gebracht wird, spart sofort und ohne neuen Vertrag Zinsen.
  3. Feste Rate statt Dauerminus. Reicht eine Einmalzahlung nicht aus, richte eine feste monatliche Rate ein, die den Dispo systematisch abbaut, statt ihn als dauerhaften Zustand zu akzeptieren. Selbst 50 € im Monat zusätzlich zur normalen Kontoführung bringen den Dispo innerhalb absehbarer Zeit auf null.

Warum ein neuer Ratenkredit nicht automatisch die Lösung ist

Ein oft gehörter Tipp lautet, den Dispo einfach durch einen günstigeren Ratenkredit abzulösen. Das kann sinnvoll sein, ist aber keine automatische Empfehlung für jede Situation. Ein Ratenkredit bindet dich an eine feste monatliche Rate über eine feste Laufzeit, unabhängig davon, wie sich dein Einkommen entwickelt. Wer stattdessen diszipliniert eine eigene Sondertilgung organisiert, bleibt flexibler und vermeidet zusätzliche Vertragskosten, Bearbeitungsgebühren oder eine erneute Bonitätsprüfung.

Wichtig: Wer bereits mehrere Kredite oder Dispo-Salden bei verschiedenen Banken hat, sollte nicht eigenständig neue Kredite zur Umschuldung aufnehmen, ohne die Gesamtsituation ehrlich zu betrachten. In solchen Fällen ist eine unabhängige Schuldnerberatung, etwa über die Verbraucherzentrale, der sicherere erste Schritt als ein neuer Vertrag.

Was du am Telefon mit der Bank besprechen kannst

Viele Kontoinhaber wissen nicht, dass sich auch der Dispozinssatz selbst manchmal verhandeln lässt, besonders bei einer langjährigen Kundenbeziehung und guter Bonität. Ein kurzer Anruf bei der Bank mit der Frage nach einem niedrigeren Dispozinssatz oder einem Vergleich mit aktuellen Angeboten anderer Banken kostet nichts und bringt in manchen Fällen tatsächlich eine Reduktion. Passiert das nicht, bleibt der Kontowechsel zu einer Bank mit niedrigerem Dispozinssatz eine gleichwertige Alternative, ohne dass sich an der grundsätzlichen Kontoführung etwas ändert.

Wie Banken die Dispozinsen genau berechnen

Dispozinsen werden tagesgenau auf den jeweils in Anspruch genommenen Betrag berechnet, meist monatlich abgerechnet und dem Konto belastet. Das bedeutet: Wer nur an wenigen Tagen im Monat kurz ins Minus rutscht, zahlt entsprechend weniger als jemand, der durchgehend im Minus bleibt. Die 260 € aus dem Beispiel gelten für den Fall, dass der komplette Betrag das ganze Jahr über offen bleibt. Wer den Dispo nur gelegentlich und kurzzeitig nutzt, zahlt anteilig weniger, das ändert aber nichts am grundsätzlich hohen Zinssatz im Vergleich zu anderen Kreditformen.

Wie du zukünftig aus dem Dispo rausbleibst

Der nachhaltigste Schutz vor dem Dispo ist ein funktionierender Notgroschen. Wer 3 bis 6 Nettogehälter auf einem separaten Tagesgeldkonto liegen hat, muss bei einer unerwarteten Ausgabe nicht ins Minus rutschen, sondern greift auf das Polster zurück. Das 3-Konten-Modell mit einem festen Dauerauftrag für Fixkosten, Alltag und Sparen hilft zusätzlich, weil Engpässe am Monatsende seltener entstehen, wenn Ausgaben von Anfang an strukturiert verteilt sind.

Mehr zum Aufbau des Polsters im Artikel Notgroschen aufbauen: wie viel du wirklich brauchst, zur Kontostruktur im Artikel Das 3-Konten-Modell.

Diese Rechnung ist eine vereinfachte Modellrechnung zur Illustration der Zinslast, keine individuelle Schuldenberatung. Bei mehreren Krediten oder größeren Salden empfehle ich eine unabhängige Beratung, etwa über die Verbraucherzentrale.

Häufige Fragen

Ist ein Dispokredit grundsätzlich schlecht?

Als kurzfristige Überbrückung für wenige Tage ist er praktisch. Problematisch wird er, wenn er über Monate oder Jahre dauerhaft in Anspruch genommen wird, weil die Zinsen dann kontinuierlich weiterlaufen.

Sollte ich für den Dispo-Ausgleich meinen Notgroschen anfassen?

Wenn der Notgroschen über die Grundabsicherung hinaus vorhanden ist, kann ein Teil zum Dispo-Ausgleich sinnvoll sein, weil die Dispozinsen fast immer höher sind als jeder Tagesgeldzins. Den kompletten Notgroschen aufzubrauchen ist dagegen riskant.

Wie erkenne ich, ob ein Ratenkredit zur Umschuldung sinnvoll ist?

Vergleiche den effektiven Jahreszins des Kredits mit deinem aktuellen Dispozinssatz und rechne die Gesamtkosten inklusive eventueller Gebühren gegen. Bei Unsicherheit oder mehreren offenen Krediten hilft eine unabhängige Schuldnerberatung weiter.

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